Ruhr Nachrichten 24.12.2007

Quelle: Ruhr Nachrichten vom 24.12.2007

Bläser in der U-Bahn-Baustelle
Von Tilman Abegg am 23. Dezember 2007 16:28 Uhr

DORTMUND Bei einem Konzert in der U-Bahn-Haltestelle „Unionstraße“, die erst im April eröffnet wird, gab es Freitagabend erste optische und akustische Eindrücke.

Die rhythmischen Pointen von Bachs drittem Brandenburgischen Konzert hallten über die farbigen Mosaik-Einlagen im weißen Steinfußboden. Dann swingten die „Brass Cats“ durch die silbernen Gerippe der Fahrplan-Träger, bis zum Treppenschacht mit den abgedeckten Rolltreppen. Am Freitagabend spielte das Bläser-Dezett „Hammer Blech“ in der Stadtbahnstation Unionstraße, die am 27. April eröffnet werden soll. Zwischen rot-weißem Flatterband an den Bahnsteigrändern besichtigten die Besucher die Architektur und genossen das Blaskonzert ¨– bei Brezeln, Bier und bester Akustik. „Die Idee dazu kam mit einem Fingerschnippen“, verriet Stadtdirektor Ullrich Sierau zur Begrüßung: Ein Verantwortlicher des Stadtbahnbauamtes ließ während der Arbeiten im Rohbautunnel die Finger schnippen und bemerkte den klaren Hall. Und bewies ein gutes Ohr: Am Freitagabend trugen die glatten Wände auch die differenzierten Töne der Bläser bis in die hinterste Reihe.

Wem von dort der Blick auf die schlichte Bühne verstellt war, konnte die Gestaltung des neuen Bahnhofs in Augenschein nehmen. Die historischen Bauzeichnungen, Fotos und Stadtansichten an den Wänden spiegeln die industrielle Vergangenheit der Stadt. Die Abbildung der „Tremonia“ (aus der 1949 die Ruhr Nachrichten hervorgingen), vom 1. Januar 1900 betont den Lokalkolorit. Insgesamt sei die Station „das Ergebnis eines gelungenen Planungsprozesses“, so Sierau.

Vorfreude auf’s Konzert

Schacht 1Die Generalprobe für die „musikalische Baustellenbegehung“ verlief vielversprechend – nicht nur musikalisch. Schacht 3Das Stadtbahnbauamt hatte ganze Arbeit geleistet und den Bahnhof Unionstraße mit einer Bühne und Lichtanlage ausgestattet. Mitarbeiter brachten die letzten künstlerisch gestalteten Paneele an den Wänden an.

La ToscanaNach knapp drei Stunden musikalischer Arbeit gönnte Hammer Blech sich einen gemütlichen Ausklang des Tages mit Pizza und Pasta. Im „La Toscana“ auf dem Ostwall spendierte nicht nur Jürgen Harmuth zur Feier des gelungenen Tages ein Glas Prosecco, auch der Chef des Hauses höchstpersönlich schenkte noch einen Grappa aus. Die Vorfreude auf das Konzert am nächsten Tag war deutlich zu spüren.

Feinschliff für’s Konzert

ChefWie der geneigte Fan der Tagespresse entnehmen konnte, wird Hammer Blech in wenigen Stunden während des Adventskonzertes des Kirchenchores St. Stephanus Bockum einige akustische Leckerbissen zu Gehör bringen. Den nötigen Feinschliff holte sich die Gruppe am gestrigen Samstag bei Ulrich Haas auf einem ausgedehnten Probentag mit gemütlichem Ausklang am Abend.

David hinter TubaDer nebenstehend abgebildete Tubist fiel dabei wiederholt durch lautes, unflätiges Spielen auf. Da er zudem alle Anwesenden durch den Missbrauch eines herrenlos herumstehenden Euphoniums schockierte, möchte er auf eigenen Wunsch lieber unerkannt bleiben.

StühleInsgesamt wurden über den Tag fünf Labellos, acht Bananen, drei Pfund Kaffee und Millionen von Nerven verbraucht – der Einsatz hat sich aber gelohnt. Wenn Sie sich beeilen, können Sie es gleich um sechs in St. Stephanus Bockum-Hövel mit eigenen Ohren erleben.

Adventszeit — Probenzeit

Adventsprobe - Mittagessen 1Am 1. Advent war für die Musiker von Hammer Hammer Blech frühes Aufstehen angesagt. Um 9:30 Uhr wurde zunächst der Adventsgottesdienst in der Berger Kirche beschallt. Danach ging es zur ausgedehnten Adventsprobe ins Gemeindehaus – schließlich ist für den bevorstehenden Adventsauftritt in Bockum-Hövel noch eine Menge vorzubereiten.

Adventsprobe - Mittagessen 2Obwohl spontan der Adventskranz illuminiert wurde, wollte keine adventliche Stimmung aufkommen, was vielleicht auch am stillosen, hastig verschlungenen, alle Manieren vergessen lassenden Adventsmittagessen lag, das aus Zeitmangel bei der benachbarten amerikanischen Schnellrestaurantkette beschafft wurde. Die beigefügten Bilder schildern dies in erschreckender Weise.

Ganze sieben Mal ist in diesem Beitrag nun schon das Wort „Advent“ bemüht worden, deshalb wünscht Hammer Blech Ihnen jetzt auch einen solchen – und zwar einen schönen.